2013 bei der LBV-Kreisgruppe Coburg


Kunst, Justiz und Naturschutz

Im Frühjahr gab es im Amtsgericht Coburg eine Doppelausstellung von den Künstlern Kerstin Bergner und Jochen Nachtigall. Der Titel der Ausstellung lautete „Welt und Justiz in allen Farben“. Besondere Aufmerksamkeit fand die Ausstellung durch die Verknüpfung abstrakter Acrylmalerei von der Erfurter Wirtschaftsingenieurin Kerstin Bergner mit den Karikaturen von Persönlichkeiten der Coburger Justiz durch den Coburger Rechtsanwalt Jochen Nachtigall. Der Erlös sollte dem Landesbund für Vogelschutz (LBV) zugutekommen. Durch den Verkauf der Bilder und Karikaturen und zusätzlicher Spenden konnten dem LBV jetzt 550 Euro überreicht werden.

Der LBV wird die Spende für den Ankauf einer Naturschutzfläche im Raum Neustadt verwenden. Östlich vom Dorf Plesten befindet sich ein Ausläufer des Coburger Muschelkalkzugs. In Verbindung mit einem Steinbruch wird hier ein Lebensraum für die seltene Schlingnatter, den Neuntöter einer Vogelart und gefährdete Orchideen wie der Mückenhändelwurz geschaffen.

Mit Förderung des Bayerischen Naturschutzfonds kann beim Ankauf wertvoller ökologischer Flächen jeder eingesetzte Euro mehr als versechsfacht werden. So kann auch mit sprichwörtlich kleinen Summen eine große Wirkung erzielt werden.

Der LBV bedankt sich für die großzügige Spende bei Frau Bergner und Herrn Nachtigall sowie beim Präsident des Landgerichts Dr. Friedrich Krauß für die Anregung und Unterstützung für dieses gemeinsame Projekt.

Die Künstler Jochen Nachtigall und Kerstin Bergner.

Das Großprojekt "Grünes Band"

Die einstige innerdeutsche Grenze zwischen der DDR und der BRD unterlag viele Jahrzehnte einer Nutzungsruhe. Durch die Abgeschiedenheit dieses Gebietes fanden viele bedrohte Tiere und Pflanzen hier einen Rückzugsraum und überlebten die Intensivierung und Überdüngung der Kulturlandschaft. Ein Teil des Grünen Bandes bildet den Grenzverlauf zwischen den Landkreisen Coburg und Kronach auf der bayerischen Seite und den Landkreisen Sonneberg und Hildburghausen auf der thüringischen Seite. Hier befindet sich das Projektgebiet des Naturschutzgroßprojektes "Grünes Band Rodachtal - Lange Berge - Steinachtal". (Der LBV berichtete im Heft Vogelschutz 3 -2011 über das Projekt) Ziel des Projektes ist es, landes- bis bundesweit bedeutsame Lebensräume zu erhalten, zu pflegen und zu optimieren. Eine Vielzahl extrem gefährdeter Arten wie Bekassine, Bachmuschel oder Gelbbauchunke sollen davon profitieren. Doch nicht jeder steht diesen Zielen positiv gegenüber. So haben sich viele Bauern und Waldbesitzer zu Projektgegner formiert und auch die CSU im Coburger Land hat sich gegen das Projekt ausgesprochen. Viele Landwirte befürchten Einschränkungen bei der Nutzung ihrer Landwirtschaftsflächen, sogar von schleichender Enteignung ist die Rede. Der LBV kann die Haltung mancher politischer Fraktionen als auch der Landwirte und Waldbauern nicht nachvollziehen. Das Projekt setzte von Anfang an auf Freiwilligkeit und konzentriert sich auf landwirtschaftlich uninteressante aber naturschutzfachlich hochwertvolle Flächen. Zudem befindet sich der überwiegende Teil der Flächen, welche für Naturschutzmaßnahmen vorgesehen sind, in staatlicher Hand oder in der Hand von Naturschutzverbänden. Der LBV fordert alle Projektgegner auf ihre Blockadehaltung zu überdenken und den großen Mehrwert für die Natur und somit zum Wohle aller anzuerkennen.

Weitere Infos zum "Grünen Band Projekt" unter: www.ngpr-gruenes-band.de


Resolution der LBV- Kreisgruppe Coburg zum geplanten Naturschutzgroßprojekt „Grünes Band- Rodachtal- Lange Berge- Steinachtal

 

Die LBV- Kreisgruppe Coburg spricht sich im Namen ihrer 2500 Mitglieder und Förderer klar für die Fortführung des Naturschutzgroßprojektes und die Überführung in die Projektphase II aus!

 

Der LBV stellt über seine Naturschutzstiftungen für diese zehnjährige Projektphase II jährlich 20.000 EUR für den Eigenanteil des Trägers (Zweckverband) zur Verfügung.

 

Gleichzeitig bringt der LBV seine ca. 150 ha Land, die sich im Coburger Projektgebiet befinden, für die naturschutzfachliche Zielsetzung mit ein und wirkt fachlich bei der Umsetzung der Projektziele aktiv mit.

 

Wir verweisen auf den einstimmigen Ministerratsbeschluss der Bayerischen und der Thüringer Staatsregierung, nach dem das gesamtstaatlich repräsentative Naturschutzprojekt politisch ausdrücklich gewünscht ist, ebenso auf den Koalitionsbeschluss der Bundesregierung zum Grünen Band Deutschland mit vergleichbarer Zielsetzung.

 

Der Kreistag des Landkreises Kronach hat am 22.04.2013 mit sehr großer Mehrheit (bei nur vier Gegenstimmen) quer durch alle Fraktionen dem Vorhaben als erster Projektpartner des Zweckverbands nach intensiver, aber sachlicher Beratung bereits zugestimmt.

 

Alle offenen kritischen Fragen, die in den vergangenen Monaten noch zu klären gewesen waren, wurden vom Zweckverband mit den Ministerien der Länder und des Bundes sowie der Regierung von Oberfranken abschließend geklärt.

 

Bezüglich der bis zu letzt am heftigsten umstrittenen Frage etwaiger Schutzgebietsausweisungen wurde klar festgestellt, dass auf Privatgrund und auf kommunalen Flächen keine Neuausweisungen wegen des Projekts gegen den Willen des Eigentümers stattfinden werden. Falls überhaupt Neuausweisungen erforderlich werden, finden diese ausschließlich auf staatlichen Flächen und den Flächen der Naturschutzverbände statt.

 

Der LBV fordert die Kreisräte des Lkr. Coburg daher auf, die Chancen des Naturschutzprojektes für den Naturschutz, für die geschichtliche Erinnerung und die Förderung des ländlichen Raumes mit immerhin 10 Mio. € nicht ungenutzt verstreichen zu lassen und der gezielten Verunsicherungskampagne der Projektgegner der letzten Wochen keine Unterstützung zukommen zu lassen.

 

Die Umsetzung des Naturschutzprojekts findet auf rein freiwilliger Basis statt. Wer nicht mitmachen möchte, muss sich nicht beteiligen. Das Projekt bietet für viele Menschen (Grundeigentümer, Extensivlandwirte, Landschaftspflegebetriebe) im ländlichen Raum des Landkreises Coburg große Vorteile. Niemand muss für sich Nachteile befürchten, niemandem wird etwas weggenommen!

 

Unverständlich und nur noch ideologisch begründbar ist daher die momentane Totalverweigerung der Projektgegner. Soll etwa verhindert werden, dass besonders naturschutzgerecht wirtschaftende Betriebe wie Ökolandwirte, Schäfereien, Landschaftspflegehöfe oder Betriebe mit Freilandbeweidung in den Genuss der Fördermittel kommen und so stabilisiert und für die Zukunft gestärkt werden?

 

Der LBV bittet die Kreisräte des Landkreises Coburg, sachorientiert abzustimmen und dem Naturschutzprojekt die Zustimmung nicht zu verweigern! Für den Landkreis Coburg ginge bei Ablehnung des Projekts eine große Chance verloren.



© Landesbund für Vogelschutz in Bayern e.V.
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