Naturschutzanforderungen an eine moderne und nachhaltig genutzte Agrarlandschaft

 

Unterschiedliche Studien kommen zu dem Ergebnis, dass es für keine Artengruppe in der EU einen so großen Handlungsbedarf und so große Defizite im Arten- und Biotopschutz gibt, wie für die Arten der offenen Agrarlandschaft.

 

Symptome

Ursachen

Forderungen

 

 

Lesen Sie hier das komplette Positionspapier der LBV-Kreisgruppe Coburg zur Agrarlandschaft


Sie kam aus den echten Steppen Asiens und fand in den "Agrarsteppen" Mitteleuropas eine gute zweite Heimat - bisher. Nun steht sie auf der Vorwarnliste der Bayerischen Roten Liste bedrohter Tierarten: unsere Feldlerche. Foto: Bertram Steiner
Sie kam aus den echten Steppen Asiens und fand in den "Agrarsteppen" Mitteleuropas eine gute zweite Heimat - bisher. Nun steht sie auf der Vorwarnliste der Bayerischen Roten Liste bedrohter Tierarten: unsere Feldlerche. Foto: Bertram Steiner

Die beängstigenden Alarmsignale:

 

Am bedrohtesten in der EU sind Tier- und Pflanzenarten, die ihre Lebensräume in der offenen Agrarlandschaft haben!

 

Bei den Feldvögeln sind mittlerweile sogar schon die ehemals häufigsten „Allerweltsarten“ deutlich im Rückgang!

 

Die Defizite beim Schutz der biologischen Vielfalt sind in der offenen Argrarlandschaft so gravierend wie bei keinem anderen Hauptlebensraumtyp!

 

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Die Gründe für diese alarmierende Entwicklung:

 

Hauptgrund ist die weiterhin zunehmende Intensivierung der Landwirtschaft – zuletzt durch den Bioenergie-Boom. Schädlich für viele Tier- und Pflanzenarten sind vor allem:

 

o   Die Beseitigung von Biotopen, Kleinstrukturen und Säumen

o   Intensivste Bewirtschaftung vormaliger Brachen, besonders für Energiepflanzen

o   Entwässerungsmaßnahmen

o   Zu hohes Nährstoffniveau

o   Pestizideinsatz

o   Verarmung der Fruchtfolgen

o   Intensive Silagewirtschaft statt Heugewinnung im Grünland

o   Immer häufigere und frühere  Mahd von Wiesen

o   Ausreizung des hocheffizienten, verlustarmen Maschineneinsatzes

 

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Die LBV-Kreisgruppe Coburg fordert daher

spezifische eigenständige Maßnahmen, um den dramatischen Verlust der biologischen Vielfalt in der offenen Agrarlandschaft endlich umzukehren, insbesondere:

 

Verstärkte Förderung des Biolandbaus

 

Bereitstellung von Fläche für einen Biotopverbund inkl. Kleinstrukturen in der offenen Agrarlandschaft – das gilt sowohl für den konventionellen als auch für den ökologischen Landbau!

 

o   Mindestens 10% Fläche der offenen Kulturlandschaft müssen nach speziellen Kriterien der Biodiversitätssicherung extensiv genutzt oder gepflegt werden!

o   Größere Kernflächen müssen über Korridore vernetzt werden, um biologischen Austausch zu gewährleisten

o   Neben nutzungsfreien Strukturen muss ein solcher Biotopverbund vor allem auch extensive Landnutzungssysteme wie Feuchtwiesen, Viehweiden mit niedriger Besatzdichte, Triften für die Wanderschäferei, magere Heuwiesen, besonders extensiv genutzte Ackerfläche mit alten Kulturpflanzensorten, Ackerränder und extensive Streuobstbestände enthalten.

 

 

Sicherung der biologischen Vielfalt muss ein festes „Fruchtfolgeglied“ unserer Kulturlandschaft werden – noch vor dem Anbau regenerativer Energiepflanzen!

 

Von der EU jetzt verbindlich vorgeschriebene „greening-Flächen“ müssen tatsächlich nach Vorgaben des speziellen Artenschutzes bewirtschaftet und gepflegt werden – als Feigenblätter der EU-Agrarpolitik, die bisher weiterhin sogar für Intensivkulturen mit Pestizideinsatz genutzt werden dürfen werden sie keinerlei Beitrag zum Erhalt der biologischen Vielfalt leisten!

 

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Mit Beweidung gegen das Insektensterben?

Eine Gegenmaßnahme zum Insektensterben seien Extensiv-Weideprojekte wie hier in Schweighof, schreibt Dr. Herbert Nickel in seiner Resolution ans Bundesumweltministerium, die der LBV unterstützt. Foto: Hans Schönecker
Eine Gegenmaßnahme zum Insektensterben seien Extensiv-Weideprojekte wie hier in Schweighof, schreibt Dr. Herbert Nickel in seiner Resolution ans Bundesumweltministerium, die der LBV unterstützt.                Foto: Hans Schönecker

 

Eine Resolution zum Insekten- und Biodiversitätsschwund hat Anfang Mai der bekannte Biologe Dr. Herbert Nickel beim Bundesumweltministerium eingereicht. Im Namen von deutschen Extensivweidevereinigungen, wesentlichen Naturschutzakteuren (wie zum Beispiel vom LBV) sowie Tierhaltern fordert er eine Rückkehr der großen Weidetiere in die Landschaft – und zwar in geringer Besatzdichte, mit möglichst robusten Rassen, ohne prophylaktische Medikamentierung (nur bei Bedarf), möglichst ganzjährig und auf mindestens fünf Prozent der land- und forstwirtschaftlichen Nutzfläche. „Ein entscheidender Faktor, gerade auch für das Insektensterben, ist nach unserer Auffassung das Verschwinden von Weidetieren in naturverträglicher Haltung aus der freien Landschaft“, heißt es in der Resolution. „Sieht man heute überhaupt noch Weidetiere draußen, stehen sie meist in viel zu hoher, für Flora und Fauna destruktiver Dichte. Zudem werden sie meist prophylaktisch mit Antiparasitenmitteln behandelt, die zu einer weiteren Reduktion unserer Biodiversität, vor allem aber der lnsekten, führen.“

 

Der Strukturreichtum der einstigen Huteweiden mit ihren Geilstellen, Trampelpfaden, Suhlen, Dornensträuchern, Hutebäumen und viele mehr und der Wechsel zwischen offenen und mit Gehölzen bestandenen Bereichen hätten fast allen unseren Offenlandarten Lebensraum geboten. „Der Dung, von dem eine einzige Kuh rund 10 Tonnen im Jahr produziert, nährte Unmengen von lnsekten, die wiederum eine riesige Ressource für Vögel, Reptilien, Amphibien und Fledermäuse waren. Zugleich war er Medium für den Transport unzähliger Samen von Pflanzenarten und sogar wirbelloser Tiere, die heute in der Landschaft an isolierten Standorten genetisch degenerieren oder schon verschwunden sind.“

 

Auch die maschinelle Mahd richte viel Schaden an, so heißt es in der Resolution. „Aus zahlreichen wissenschaftlichen Untersuchungen ist bekannt, dass die Sterblichkeitsrate quer durch alle Tiergruppen (von Amphibien über Käfer, Spinnen, Heuschrecken bis zu den Bienen) bei maschinellen Mahdtechniken bis über 80 Prozent pro Schnitt reicht und die lntensivierung der Grünlandnutzung zu einer großräumigen Verarmung und Monotonisierung unserer Landschaften geführt hat.“

 

Ein Ausweg zum Mahd-Problem und als Gegenmaßnahme zum Insektensterben außerdem ein sehr erfolgsreiches Werkzeug seien Extensiv-Weideprojekte. „Auf solchen Flächen nahmen die lnsekten bereits nach wenigen Jahren wieder substanziell zu und im Gefolge haben sich zahlreiche gefährdete Vogel- und Amphibienarten wieder ausgebreitet. Sogar regional ausgestorbene Arten sind wieder eingewandert, schreibt Dr. Nickel in seiner Einschätzung.“ Die Resolution fordert deswegen eine  substanzielle finanzielle Förderung der extensiven, naturverträglichen Beweidung in der nächsten Runde der Gemeinsamen Agrarpolitik wie auch auf nationaler Ebene, einen Abbau bürokratischer Hindernisse bei ihrer Einrichtung und Durchführung sowie die aktive Unterstützung der öffentlichen Hand und weiterer Akteure zur Etablierung möglichst großflächiger Weidegebiete.

 

Das Bundesumweltministerium habe bereits eine Reaktion auf die Resolution mit einem eventuellen Pressetermin ist in Aussicht gestellt, so Dr. Nickel.

 

 

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