Rabenvögel - Elstern, Krähen, Eichelhäher & Co

Häufig rufen uns besorgte Menschen an, die um die Bestände unserer heimischen Singvögel in den Dörfern, Gärten und Städten fürchten. Der Grund: Sie beobachten immer mehr Rabenvögel, vor allem Elstern, und vermeintlich immer weniger andere Singvögel im Garten. Schnell ist eins und eins zusammengezählt: Die Elstern vermehren sich in unvertretbarem Maße und rotten unsere Singvögel aus.

Wir können Sie an dieser Stelle beruhigen: Dem ist nicht so. Die Zahlen aus wissenschaftlichen Erhebungen sprechen eine ganz andere Sprache, als der subjektive Eindruck manchmal befürchten lässt:

  • Unbestritten gibt es bei Krähen, Elstern und Co. regionale Zu- und Abnahmen und auch Bestandsschwankungen über Jahre hinweg. Die Gesamtpopulation aller „verdächtigen“ Rabenvögel ist in Mitteleuropa seit Jahren aber nachweislich konstant.
  • Was Sie als besorgniserregende Zunahme von Elstern, Rabenkrähen oder Eichelhähern beobachten könnten, ist in Wirklichkeit eine Verschiebung: Diese Rabenvögel haben sich in den letzten Jahren an den Menschen angepasst, ihre ursprüngliche Scheu etwas verloren und unsere Siedlungen als neuen Lebensraum entdeckt. Übrigens genau wie ihre vermeintlichen „Opfer“: auch Amseln, Singdrosseln, Rotkehlchen und Mönchsgrasmücken waren ursprünglich teils sogar scheue Waldvögel, die unsere Gärten ebenfalls erst in den zurückliegenden Jahrzehnten erobert haben! Gerade diese ehemaligen Waldvögel versuchen zur Brutzeit, sich deutlich heimlicher als gewohnt zu verhalten. Besonders im Sommer entsteht so der falsche Eindruck, sie seien „verschwunden“.
  • Ins Beuteschema vieler Rabenvögel gehören auch Eier, Jung- und manche Altvögel von anderen Singvogelarten. Als ein kleiner Aspekt neben Würmern, Larven, Schnecken, Aas, Nüssen… Übrigens, wer auch gerne Singvogelnester zur Brutzeit plündert sind Eichhörnchen. Hätten Sie das gedacht? Wenn wir uns nun dafür aussprechen würden, Rabenvögel abzuschießen, weil sie gelegentlich Vogeljunge fressen – was sollten wir dann mit den possierlichen Eichhörnchen tun?
  • Wenn Sie einmal Augenzeuge werden sollten, wie z.B. eine Elster ein Amselnest plündert: Es ist ganz natürlich, dass Tiere für ihr Überleben andere Tierarten töten und verzehren. Das geschieht seit Jahrmillionen, auch zwischen Rabenvögeln und kleineren Singvögeln. Heute fällt es uns nur besonders auf, weil beide in unsere Gärten eingewandert sind und diese Kämpfe nicht mehr nur im tiefen Wald ausgetragen werden, sondern auch vor unserer Haustür.

Was allerdings wirklich ein Problem ist: Viele Singvogelarten der Siedlungen und Gärten werden tatsächlich immer seltener, so dass ernsthaft ein Grund zur Sorge besteht. In keinem einzigen Fall hat dies aber etwas mit Rabenvögeln zu tun:

  • Der einstige „Allerweltsvogel“ Haussperling steht heute auf der Vorwarnliste zur Roten Liste bedrohter Tier- und Pflanzenarten. Wegen der vielen Elstern? – Nein, vielmehr findet er kaum noch Nistmöglichkeiten an modernen Häusern mit ihren nischenfreien Fassaden, und die vielerorts aufgeräumten und geputzten Gärten und Höfe, bieten kaum noch herumliegendes Nistmaterial, sie beherbergen immer weniger Insekten zur Aufzucht der Jungen, und selbst die kleinste „Dreck-Ecke“ fehlt, in welcher der Spatz sein geliebtes Staubbad nehmen kann.
  • Hübsche kleine Finkenvögel wie der Stieglitz, der Bluthänfling oder der Girlitz haben in den letzten 20 Jahren zwischen 20 und 50% Bestandseinbußen erlitten. Zu viele Eichelhäher? – Nein, einer der Hauptgründe: unaufgeräumte Brachen und Ruderalfläche, auf denen die kleinen Körnerfresser früher ihre Nahrung fanden, gibt es auch in unseren Siedlungen immer weniger. Sie sind unter Asphalt, sterilen Zierblumenrabatten und Englischem Rasen verschwunden.
  • Bestandseinbußen in derselben Größenordnung mussten auch unsere Gebäudebrüter Mauersegler, Mehl- und Rauchschwalbe, Hausrotschwanz, Bachstelze hinnehmen. Die vielen Rabenkrähen sind schuld? – Falsch. Der wahre Grund: kaum noch offene Tierställe oder Dächer und Hausfassaden, die Einfluglöcher, Höhlen und Nischen zum Brüten bieten.

Sie sehen: Wenn Sie wirklich etwas für die Singvögel in unseren Siedlungen tun möchten, hilft es überhaupt nicht weiter, den Rabenvögeln den Schwarzen Peter zuzuschieben. Das beste, was Sie tun können, ist Ihren Garten und Ihr Haus vogelfreundlich zu gestalten!

© Landesbund für Vogelschutz in Bayern e.V.
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