Vogel des Jahres

 

Seit 1971 küren LBV und NABU jährlich den „Vogel des Jahres“. Auswahlkriterium ist die Gefährdung der Art - oder ihres Lebensraums: Wie keine andere Tiergruppe sind viele Vögel bekannt, auffällig und meist sympathisch. Sie sind populäre Aushängeschilder für den Lebensraum, den sie bewohnen. Hinter dem Vogel des Jahres steht immer die ganze biologische Vielfalt an Tieren, Pflanzen und Pilzen, die seine Biotope teilen.

Vorträge, Exkursionen und Ausstellungen begleiten ein Jahr lang die Schutzmaßnahmen für den Vogel des Jahres, seine Heimat und seine tierischen und pflanzlichen Mitbewohner.


Feldlerche wird Vogel des Jahres 2019

Im Coburger Land gibt es noch relativ gute und stabile Feldlerchenbestände. Foto: Markus Glässel/LBV-Archiv
Im Coburger Land gibt es noch relativ gute und stabile Feldlerchenbestände.     Foto: Markus Glässel/LBV-Archiv

 

Von Frank Reißenweber, Erster Vorsitzender LBV Coburg

 

Der LBV und der NABU haben Mitte Oktober die bundes- und bayernweit gefährdete Feldlerche (Alauda arvensis) zum „Vogel des Jahres 2019“ gewählt, auch um der Forderung nach einer deutlich ökologischeren Ausrichtung der zukünftigen europäischen Agrarpolitik, die auch unsere Landwirte vor noch mehr Preisdruck und Intensivierungszwang schützt, Nachdruck zu verleihen.

 

Im Coburger Land gibt es noch relativ gute und stabile Feldlerchenbestände. Neben Unterfranken liegt bei uns sogar ein bayernweiter Bestandsschwerpunkt dieser Art! In der offenen Kulturlandschaft ist ihr Lied von Ende Februar bis Juli noch regelmäßig zu hören. Trotzdem ist die Siedlungsdichte in der Brutzeit heute geringer als noch vor 25 Jahren oder gar vor 50 Jahren. Auch bei uns sind also Rückgänge zu verzeichnen. Vor allem liegt das an der immer weiter ausufernden Bebauung der Landschaft mit Straßen und Baugebieten aller Art sowie an einer immer intensiver gewordenen Landwirtschaft, bei der insbesondere Sommergetreide, Feldfutter wie Luzerne und Kleegras, Hackfrüchte und Ackerbrachen immer seltener werden. Hier haben die Lerchen früher ihre Zweitbruten und Nachgelege getätigt, die heute oft ausfallen müssen, was ihre Nachwuchsrate erheblich verringert. Im Wintergetreide und Raps können Feldlerchen nur die Erstbrut erfolgreich abschließen, dann ist der Bestand zu hoch und zu dicht. Maisäcker bieten anfangs überhaupt keine Deckung und sind extrem arm an Insekten und Wildkrautsamen, was die Lerchen als Nahrung aber zwingend in ihrem Revier benötigen. An den bei uns durchziehenden Zugtrupps ist der großräumige Feldlerchenrückgang in anderen Gebieten noch viel deutlicher zu erkennen als am Brutbestand: Vor 40 Jahren gab es noch Zugtrupps mit mehreren Hundert Tieren, die zum Beispiel gerne auf Stoppeläckern rasteten, bevor sie weiter zogen. Heute freut man sich bereits, wenn solche Trupps mehrere Dutzend Lerchen umfassen.

 

Der LBV Coburg bietet auf seinen etwa 25 Hektar Schutzäckern für Ackerwildkräuter auch Feldlerchen ein kleines Paradies zum Überleben, wo sie jede Menge Nahrung finden und im Sommerbau, in Luzerneflächen und jungen Brachen ihre Zweitbruten erfolgreich aufziehen können. Unser neues Bayern-Netz-Naturprojekt „Agrarlandschaft/Reb-huhn“ (zusammen mit dem Bayerischen Naturschutzfonds, der Wildland-Stiftung, der Ökologischen Bildungsstätte in Mitwitz, dem Bayerischen Landesjagdverband und der Oberfrankenstiftung) kommt mit fast 25 Hektar Blühmischungsflächen, die ab dem Frühjahr 2019 von zahlreichen Partnerlandwirten ausgesät werden, ganz erheblich gerade auch der Feldlerche zu Gute. Außerdem führte die LBV-Kreisgruppe bei Schafhof, Schorkendorf und Seßlach eine mehrjährige standardisierte Feldlerchenreviererfassung auf rund 160 Hektar Flächen des ökologischen Landbaus durch und entwickelte hierfür optimierte Anbauempfehlungen (mit Brache- und Blühstreifen) speziell für den Feldlerchenschutz, die zukünftig hier dauerhaft umgesetzt werden.

 

Wenn derartige Maßnahmen europaweit zukünftig gezielt über eine neue EU-Agrarpolitik, für die der LBV mit großem Einsatz kämpft, gefördert würden, und der Flächenverbrauch bei uns substantiell verringert würde, bräuchten wir uns keine Sorgen um die kleine Sängerin über unseren Feldern machen und eben so wenig um die große Vielfalt der Feldinsekten und Ackerwildkräuter.


Die Vögel des Jahres 1990 bis 2018


Der Star des Jahres 2018: der Star!

Der Star ein typisches Beispiel für den stillen Rückgang der häufigen Vogelarten.
Foto: Hubert Kluger
Der Star ein typisches Beispiel für den stillen Rückgang der häufigen Vogelarten.				      
Foto:  Hubert Kluger

 

Egal, ob Polizeisirenen, Handy-Klingeltöne oder das Brummen eines Rasenmähers: Der Star ist ein begnadeter Imitator von Tönen. Das musikalische Multitalent zeigt sich als Star unter den Vögeln auch gerne im glanzvollem Gewandt – allerdings nur einige Monate im Jahr: Wer den Star einmal im Frühjahr und dann wieder im Herbst betrachtet, könnte denken, zwei verschiedene Vögel gesehen zu haben. Im Frühjahr zeigt sich der Star in einem schwarzen Gefieder, das je nach Lichteinfall metallisch grün, blau oder violett glänzt. Im Spätsommer nach der Mauser glänzt das Federkleid weniger und ist mit einem regelrechten Perlmuster überzogen. Doch pünktlich zur neuen Brutsaison schillern die Vögel wieder in elegantem Schwarz mit Glanzeffekt. Jetzt haben der LBV und der NABU den Star (Sturnus vulgaris) zum „Vogel des Jahres 2018“ gewählt.

 

Erfahren Sie hier mehr über den Star und wie Sie ihm helfen können.

 

 


Der Waldkauz ist Vogel des Jahres 2017

Foto: Hans Schönecker
Foto: Hans Schönecker

 

Seine nächtlichen Rufe, der lautlose Flug und das Sehen bei fast völliger Dunkelheit begeistern nicht nur Vogelkundler: Warum wir in diesem Jahr den Waldkauz als Vogel des Jahres gekürt haben. Mit dem Waldkauz wollen wir für den Erhalt alter Bäume mit Höhlen im Wald oder in Parks werben und eine breite Öffentlichkeit für die Bedürfnisse höhlenbewohnender Tiere sensibilisieren. Gleichzeitig macht der Waldkauz auf alle Tiere der Nacht aufmerksam: Man sieht sie nicht oder nur selten, kann sie aber sehr wohl akustisch erleben. Sie haben sich in einer jahrtausendelangen Entwicklung an das Leben im Finstern angepasst. >> Mehr erfahren


Stieglitz - Vogel des Jahres 2016

Foto: Bertram Steiner
Foto: Bertram Steiner

Im Jahr 2015 fiel die Wahl zum Vogel des Jahres auf den Stieglitz: ein Singvogel, der zu den farbenfrohesten Vögeln Vögeln Deutschlands zählt. Der auch Distelfink genannte Vogel steht für vielfältige und farbenfrohe Landschaften, denn er ernährt sich vornehmlich von den Samen zahlreicher verschiedener Blütenpflanzen, Gräsern und Bäumen. Bunte Landschaften mit ausreichend Nahrung gibt es jedoch immer weniger, daher ist der Bestand des Stieglitzes in Deutschland in den vergangen Jahren stark zurückgegangen. >> Mehr erfahren



Der Grünspecht - Vogel des Jahres 2014

Foto: Hans Schönecker
Foto: Hans Schönecker

 

„Kjückkjückkjückkjück!“ – wie ein gellendes Lachen schallt Ihnen schon an den ersten milden Tagen im Jahr ein lauter Vogelruf aus der Streuobstwiese entgegen. Der Grünspecht (Picus viridis) wurde vom LBV und dem NABU zum Vogel des Jahres 2014 gewählt. Lesen Sie hier, weshalb der Grünspecht der "Lachende Gewinner" 2014 ist...


Die Bekassine - Vogel des Jahres 2013

Bekassine. Foto: NABU Willi Rolfes
Bekassine. Foto: NABU Willi Rolfes

Die Bekassine (Gallinago gallinago) wurde zum Vogel des Jahres 2013 gewählt. Das unverwechselbare Merkmal des etwa taubengroßen Schnepfenvogels ist sein überproportional langer und gerader Schnabel.

 

Lesen Sie hier weiter, warum die Bekassine in Deutschland vom Aussterben bedroht ist.

 

Mehr zum Bekassinen-Projekt der LBV-Kreisgruppe Coburg


Die Dohle - Vogel des Jahres 2012

Dohlen-Trio. Foto: Christian Falk
Dohlen-Trio. Foto: Christian Falk

Spätestens seit dem Aufenthalt Martin Luthers in Coburg sind Dohlen als Brutvögel auf der Veste verbürgt. Man kann nur annehmen, dass der Reformator in seinem Zufluchtsort auf der Veste in düsterer Stimmung war...

 

Lesen Sie hier weiter, weshalb es auch für die Dohle im Coburger Land zwischenzeitlich sehr düster aussah und wie der Vogel des Jahres 2012 auch dank der LBV-Kreisgruppe zurückkehren konnte.

 

Der Kampf um die Nistkästen - Dohle versus Schleiereule?


Der Gartenrotschwanz - Vogel des Jahres 2011

Das farbenprächtige Männchen des Gartenrotschwanzes. Foto: Marcus Bosch
Das farbenprächtige Männchen des Gartenrotschwanzes. Foto: Marcus Bosch

Der Gartenrotschwanz (Phoenicurus phoenicurus) war ein typischer Bewohner der Streuobstwiesen und großer Gärten mit alten Obstbäumen.

 

Wie er schleichend diese Lebensräume verliert und zum Vogel des Jahres 2011 gewählt wurde lesen Sie hier.




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