Warum wir den Habicht zu seiner Wahl beglückwünschen

 

Die Wahl des Habichts zum "Vogel des Jahres 2015" freut uns aus zweierlei Gründen:

 

Erstens: Haben Sie schon einmal einen Habicht gesehen?

 

Ein bisschen ist der Habicht ein Phantom - ein ständiger, aber meist "unsichtbarer" Begleiter: er ist in ganz Deutschland, Bayern und wohl auch bei uns im Coburger Land flächendeckend verbreitet, aber stets nur in geringer Dichte. Dazu kommt die meist heimliche Lebensweise mit äußerst versteckten Horsten in großen Waldgebieten, so dass man ihn sehr selten zufällig zu Gesicht bekommt. Das geht selbst Fachleuten so.

Wir hoffen, dass er durch die Wahl zum Vogelk des Jahres die ihm gebührende Aufmerksamkeit bekommt und nun auch durch Ihre Beobachtungen ein detaillierteres Bild seiner tatsächlichen Verbreitung entsteht, als wir es momentan haben.

 

 

Zweitens: Beim Problem "Illegale Vogeljagd" endlich auch vor der eigenen Haustüre kehren!

Der Hauptgrund seiner Wahl zum "Vogel des Jahres" ist, dass der Habicht die Zielart Nr. 1 der illegalen Greifvogelverfolgung darstellt. Gerade in den letzten Jahren haben wir es uns in Deutschland etwas angewöhnt, den südlichen Ländern rund ums Mittelmeer den Schwarzen Peter zuzuschieben, was die illegale Vogeljagd betrifft.

Aber auch in Deutschland haben wir nach wie vor einen teils problematischen Jagddruck auf bestimmte Vogelarten - sei es illegal wie zumeist bei Greifvögeln oder auch völlig legal wie z.B. bei ziehenden und überwinternden nordischen Saat- und Blässgänsen.

Der Habicht steht dafür, dass auch wir in Deutschland noch dringende Hausaufgaben beim Thema Naturschutz und Vogeljagd zu erledigen haben!

 

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Wie viele Brutpaare gibt es im Coburger Land?

 

Beim Habicht ist die Frage nach dem Brutbestand und der Bestandsentwicklung sehr schwierig zu beantworten, für Coburg gleichermaßen wie für ganz Bayern oder Deutschland:

 

Der Habicht kommt wohl flächendeckend vor, aber nur als ein spärlicher und dann auch noch sehr heimlicher Brutvogel. Deswegen kann die Zahl der Brutpaare erheblich unterschätzt werden.

Auf der anderen Seite ist der Anteil an Nicht-Brütern beim Habicht besonders hoch - Vögel besetzten im Spätwinter und Frühjahr Reviere, ohne dort zu brüten. Das führ im Gegenzug wieder zu erheblichen Überschätzungen des Brutbestandes, da auch die Horste kaum zu finden sind.

 

Für Stadt und Landkreis Coburg liegt die grobe Einschätzung des LBV zwischen 28 und 42 Brutpaaren, für ganz Bayern zwischen 2.100 und 2.800.

Nachdem 1972 in Deutschland das Pestizid DDT verboten worden war, dürfte der Bestand im Coburger Land nach Beobachtungen der LBV-Kreisgruppe seit den 70er Jahren angestiegen und nun seit Jahren relativ stabil sein.

 

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Wo sich der Habicht im Coburger Land wohl fühlt

 

Der Habicht liebt größere Nadel-, Laub- und Mischwälder zum ungestörten Brüten, wenn sie mit beute- und strukturreichen Landschaftsteilen gekoppelt sind. Dort erbeutet er übrigens gar nicht so häufig Feldhasen oder Hausgeflügel, sondern bevorzugt Straßen- und Ringeltauben und Rabenvögel wie Krähen, Eichelhäher und Elstern.

Unsere Kartierungen der LBV-Kreisgruppe Coburg für den bayerischen Brutvogelatlas bestätigen, dass der Habicht diese Landschaftsräume am besten um Bad Rodach und der westlichen Gemeinde Meeder, im Raum Rödental-Neustadt sowie in den großen Waldgebieten des Callenberger Forstes findet.

 

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Was macht dem Habicht im Coburger Land das (Über-) Leben schwer?

 

Dem Habicht geht es im Coburger land vergleichsweise gut: Zum großen Glück haben wir vor Ort eine überwiegend aufgeschlossene und vernünftige Jägerschaft, die erkannt hat, dass nicht der Habicht die Schuld trägt am Rückgang des Niederwildes.

Rebhuhn, Feldhase und co. leiden vielmehr unter der zunehmend strukturärmeren Agrarlandschaft.

Auch die Beschwerden von Geflügelzüchtern über den Habicht kommen nur noch sporadisch vor.

 

Bei der Unteren Naturschutzbehörde im Landratsamt Coburg sind auch schon lange keine Hinweise mehr auf illegale Tötungen oder Fallenfänge von Habichten eingegangen, auch Ausnahmegenehmigungen für Fang oder Abschuss gibt es schon lange keine mehr.

 

Bei uns im Coburger Land kann sich der Habicht glücklich schätzen: niemand mehr macht ihm das Leben ernstlich schwer. Trotzdem ist immer eine gewisse Dunkelziffer möglich. Der LBV ruft daher alle Menschen auf, entdeckte Fallen, sogenannte "Habichtkörbe", und getötete oder verletzte Greifvögel umgehend bei uns in der LBV-Geschäftsstelle Coburg zu melden, damit entsprechende Schritte eingeleitet werden können.

 

Leider hat sich die Situation für den Habicht längst nicht überall in Bayern und Deutschland  so entspannt wie in Coburg. Eine nach wie vor massive, meist illegale Verfolgung in einigen Regionen, bei der nicht selten große Teile der gesamten lokalen Brutpopulation weggefangen oder illegal beseitigt werden, hat zu regelrechten Verbreitungslücken in ganz Bayern geführt. Auch in Landkreisen mit einer hohen Zahl an legalen Fanggenehmigungen ist ein hoher Anteil von Habichtrevieren verwaist.

 

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Wie unterscheide ich den Habicht vom Mäusebussard?

 

Der Habicht ist ähnlich groß wie der Mäusebussard, Weibchen sind dabei zum Teil erheblich größer als Männchen.

Der Habicht hat aber deutlich kürzere Flügel und gleichzeitig einen viel länger wirkenden Schwanz als der Mäusebussard, der beim Habicht außerdem deutlich grau-schwarz gebändert ist. Diese Gestalt ermöglicht es dem Habicht, in rasantem Flug auch durch dichten Wald und Gebüsch bis zu krähengroße Vögel zu verfolgen und zu schlagen.

Sieht man einen Habicht, dann sieht man meist einen Vogel mit schnellen, kräftigen Flügelschlägen und kurzen Gleitstrecken dazwischen aus der Deckung heraus oder in ein Gehölz "hineinschießen". Der Mäusebussard kreist dagegen auf breiten, deutlich längeren Schwingen und kurzem Schwanz gemächlich hoch am Himmel in der Thermik, gleitet mit ruhigen Flügelschlägen über Feldern, Wäldern und Wiesen oder sitzt ganz offen auf exponierten Sitzwarten auf Mäuse an.

Ein Bussard hat auch niemals die typische enge Bänderung auf der Brust und die stechend gelben Augen wie ein Habicht. Den Habicht verwechselt man viel eher mit seinem kleineren und schwachbrüstigerem Bruder, dem Sperber.

 

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© Landesbund für Vogelschutz in Bayern e.V.
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