Feder entführt in die Pflanzenwelt von Gemünda

Mit ganzem Herzen Botaniker: Jürgen Feder in Gemünda.
Mit ganzem Herzen Botaniker: Jürgen Feder in Gemünda.

 

„Ich hoffe, wir verlieren ein paar Teilnehmer auf der Führung“, sagte Jürgen Feder gleich am Anfang seiner Botanik-Safari. „Und übrigens: Um Tiere geht es heute nicht. Tiere finde ich langweilig.“ Damit war den über 70 Teilnehmer der Botanik-Safari durch die Heiligenleite gleich klar: Der Pflanzenexperte aus Bremen findet deftige Worte und nimmt kein Blatt vor den Mund – außer um vielleicht davon zu naschen. Gefrühstückt hatte der Mann aus Funk und Fernsehen nämlich noch nicht und knabberte hier und dort an Pflanzen, die er den Safari-Teilnehmern leidenschaftlich vorstellte.

 

Direkt nach der Generalprobe des ZDF-Fernsehgartens in Mainz nachts nach Gemünda gebraust, auf dem Parkplatz übernachtet, sich morgens kurz im Bach gewaschen und dann sofort auf in die Natur bis 22 Uhr nachts, und am nächsten Tag wieder zurück nach Mainz zur Live-Sendung. Jürgen Feder eben. Ein Naturkind mit stahlblauen Augen, frecher Schnauze und einem Lexikon im Kopf. Nichts Aufgesetztes ist an ihm, er ist leidenschaftlich, gnadenlos, puristisch und man folgt ihm sofort staunend in seine Welt. Stakkatohaft wirft der Botaniker Wissen um sich und haut währenddessen noch einen Brüller nach dem anderen heraus.

Nach 100 Metern und rund 30 Pflanzen später staunt ein Safari-Teilnehmer „Der schmeißt ja ganz schön mit Pflanzen um sich!“ „Ja klar“, sagt Jürgen Feder. „Wir sehen uns ja nur heute, da muss ich reinhauen!“ Dass Jürgen Feder an diesem heißen Tag im Coburger Land ist, haben das Naturkunde Museum und der LBV Coburg organisiert. Und dann haut Jürgen Feder wirklich rein und zwar zwei Stunden länger als geplant – manche Safari-Teilnehmer geben tatsächlich erschöpft vorzeitig auf. Von Knoblauchsrauke über das Orientalische Zackenschötchen zum Gundermann: Zu jeder Pflanze kann Jürgen Feder erstaunliche Details erzählen. „Gundermann in Schokolade getunkt und dann ins Kühlfach legen, schmeckt ähnlich wie Rosinen.“ Es gebe viel mehr essbare Pflanzen als giftige. Am Hahnenfuß sei jedoch alles giftig bis auf die Blütenblätter. Mit denen habe man früher Butter gelb eingefärbt, deswegen auch der Name „Butterblume“.

 

„Grundsätzlich“, sagt er, „gibt es für mich keine bösen und lieben Pflanzen in der Natur wie es oft der Naturschutz anprangert. Auch Zierpflanzen haben ihre Berechtigung. Die Pflanzen können ja nichts dafür, dass sie da sind.“ Nur bei der Quecke bekommt der gelernte Landschaftsgärtner spaßeshalber einen Hass. „Was die Quecke kann? Die kann echt gar nichts.“ Und auch für den Giersch hat er kein gutes Wort übrig: „Bei meiner Freundin habe ich den Giersch innerhalb von zwei Jahren im Garten eliminiert. Nur deswegen durfte ich bleiben.“

 

 

„Mähen ist wie ein Haarschnitt. Nur nicht zu früh und zu oft im Jahr.“


Soll man jetzt seinen Garten zuwuchern lassen, um jeder Pflanze seiner Berechtigung lassen? Nein, Mähen sei gut, sagt Jürgen Feder. „Das ist wie Haarschnitt.“ Man sollte nur möglichst spät mähen und auch nicht zu oft. „Zwei- bis dreimal im Jahr reicht.“ Gegen Düngung spricht sich Jürgen Feder jedoch gänzlich aus. „Düngen ist immer schlecht.“

Von dem geballten Fachwissen fühlten sich manche Safari-Teilnehmer etwas erschlagen. „Fast ein bisschen zu viel des Guten“, stellt Stefanie Bohnert aus Marktrodach abschließend fest, die vor allem wegen ihrer pflanzeninteressierten kleinen Tochter an der Führung teilgenommen hatte. „Aber Jürgen Feder reißt einen schon toll mit, weil er so leidenschaftlich ist.“

Daniel Gosch aus Seßlach, zufälligerweise selbst Landschaftsgärtner und aus Bremen hergezogen, ist begeistert: „Jürgen Feder hat viel Wissen und sabbelt wie ein Wasserfall, er ist lustig und stärkt das Naturverständnis. Dass nämlich das, was um einen herum wächst, einen Wert hat, den manche von uns vergessen haben.“ Und das hat Jürgen Feder an diesem Tag wieder einmal geschafft: Er hat anderen Menschen gezeigt, wie kostbar Natur ist. Vielen Dank dafür!

 

 

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