Die Arbeitsgruppe Fledermausschutz

Bechsteinfledermaus
Bechsteinfledermaus

 

Die Arbeitsgruppe Fledermausschutz (AGF) ist eine der ältesten im LBV Coburg. Die Gruppe wird geleitet von Dagmar Papadopoulos, die seit 1990 die Fledermausfauna im Coburger Land kartiert und erhebt. Nach wie vor sind die 17 bei uns vorkommenden Fledermausarten eine der höchst bedrohten Säugetiergruppen. Quartierschutz- und neu Schaffung bilden angesichts des geringen Bestandes einen Schwerpunkt der Arbeit. Die nächtlichen Flieger stellen nämlich ganz spezielle Anforderungen an ihre Umwelt. In den Sommermonaten, wenn die Weibchen ihre Jungen bekommen, brauchen sie warme, störungsfrei Wochenstuben auf Dachböden, an Hausfassaden, in Flachdächern von Garagen, Spalten und Nistkästen. Die AFG versucht, gemeinsam mit den Hausbesitzern, diese Sommerquartiere zu optimieren. So müssen z.B. Dachluken vergittert werden, um Eulen oder Katzen den Zugriff auf die Weibchen in den Wochenstuben zu verwehren. Die Fledermausschützer inspizieren auch alle bekannten Sommerquartiere und überprüfen den Gesundheitszustand der Kolonien. Für die im Sommer vagabundierenden Männchengruppen wurden inzwischen 400 Fledermausflachbretter in nahrungsreichen, fledermausfreundlichen Biotopen angebracht. Zum Überwintern benötigen die Fledermäuse, die in Winterstarre verfallen, frostfreie, ungestörte Felsenkeller. Dort werden von den Mitarbeitern der AGF Hohlblocksteine als Unterschlupf angebracht, die Eingänge gesichert und mit Einflugöffnungen für Fledermäuse versehen. Nicht zuletzt werden verletzte Tiere oder junge Fledermäuse, die sich in beleuchtete Räume verflogen haben, von den Fledermausschützern abgeholt, wieder aufgepäppelt und in die Freiheit entlassen.


Jedes Jahr veranstaltet die Arbeitsgruppe eine Fledermausnacht.

Von Bechstein, Mücke und Mops

Fledermäuse sind eines der spannendsten Kapitel der Biologie. Seit etwa 60 Millionen Jahren existieren sie in nahezu unveränderter Form, wie auch Funde aus der Grube Messel (mit ihren 47 Millionen Jahre alten Versteinerungen) belegen. Sie führen ein hochinteressantes Leben und haben ganz erstaunliche Fähigkeiten entwickelt. Als einzige Säuger fliegen sie mit den Händen und „sehen“ mit den Ohren, nämlich mit Ultraschall-Echolotsystem. Im Schlaf hängen sie kopfüber. Um Energie zu sparen, können sie ihre Körpertemperatur regulieren. Alle unsere heimischen Arten ernähren sich ausschließlich von Insekten. Im Herbst wird ein Speckpolster angelegt, das manchmal bis zu einem halben Jahr ausreichen muss. Als Winterschläfer sind die Fledermäuse auf frostfreie, feuchte und störungsfreie Verstecke angewiesen. Nur so lässt sich die energetische Gratwanderung meistern.

Als nachtaktive Jagdflieger sind sie einzigartig unter den Säugetieren. Obwohl mit Augen ausgestattet, orientieren sie sich mit Hilfe der Ultraschallechoortung im freien Luftraum wie auch in dichter Vegetation. Ihr Gehirn liefert ihnen quasi ein Hörbild der Hindernisse sowie Art, Größe und Bewegungsrichtung ihrer Beutetiere.

Manche unserer Arten sind sommers wie winters relativ ortstreu, andere legen lange Wanderungen von mehreren tausend Kilometern in ihre Winterquartiere zurück.

In Deutschland sind alle Fledermausarten gefährdet, einige sogar, wie z.B. Große und Kleine Hufeisennase, vom Aussterben bedroht. Diese Arten sind aber nicht unter den im Landkreis Coburg bisher gefundenen 17 von deutschlandweit 24 Arten. Als besonders bedeutsam für den Landkreis Coburg sollen nur die Mopsfledermaus, das Große Mausohr und die Bechsteinfledermaus (FFH Anhang II Arten) genannt werden. Bedrohlich ist nicht nur in unserem Landkreis der auffällige Rückgang des Grauen Langohrs. An Neuentdeckungen können auch wir mit der Mückenfledermaus aufwarten. Mit einem Batcorder, einem Fledermausdetektor mit automatischer Rufaufzeichnung und Rufanalyse, wurde eine Nymphenfledermaus nachgewiesen.

Ja nach Art suchen die Fledermäuse Unterschlupf in Dachstühlen, Kirchtürmen und hinter Fensterläden und sonstigen Gebäuderitzen oder auch in Baumhöhlen und Nistkästen. Die eigentlich als Waldfledermaus geltende Kleine Abendsegler hat bei uns drei Gebäudequartiere bezogen.

Im Juni finden sich die Weibchen in sogenannten Wochenstuben zusammen, wo sie meistens ein Junges zur Welt bringen. Nach 6 – 8 Wochen ist es flugfähig, aber erst gegen Ende August selbständig. Wochenstuben brauchen im Juni und Juli völlige Ruhe. Mütter mit kleinen Jungtieren sind ganz besonders störungsempfindlich.

Im Herbst suchen die Fledermäuse für den Winterschlaf kühle, aber frostsichere und möglichst feuchte Winterquartiere wie Höhlen und Stollen auf. In der Zeit zwischen Oktober und März leben sie auf Sparflamme. Sie verlieren bis zu einem Drittel ihres Körpergewichtes. Die Fledermäuse darf man in ihren Winterquartieren nicht stören, da sie durch Geräusche oder Licht aufwachen und dabei wichtige Energie verlieren.

Der praktische Fledermausschutz in unserer Region umfasst den Quartierschutz auch mit Hilfe der Unteren Naturschutzbehörde, z.B. das Anbringen von Kotbrettern bei neuen Fledermauswochenstuben, akzeptanzsteigernde Maßnahmen wie das Abräumen von Kot unter großen Kolonien in Dachböden und das Auslegen von Folien unter Hangplätzen sowie ständige Aufklärungsarbeit. Im Landkreis wurden bereits ca. 100 Plaketten der Aktion fledermausfreundlich an fledermausfreundliche Hausbesitzer vergeben.

Nicht immer erfolgreiche Aufzuchtversuche verwaister Jungtiere verschiedener Arten sowie Hilfe bei Invasionen (Masseneinflügen von Jungtieren) der Zwergfledermaus im Spätsommer gehören zu den tierschutzrelevanten Aufgaben der Fledermausarbeitsgemeinschaft im LBV.

Winterquartiere werden regelmäßig auf Unversehrtheit der Verschlüsse, Baufälligkeit und Bestandsänderungen hin kontrolliert.

Ständig kommen, auch vom LBV gepachtete, neue Quartiere hinzu, die mit Mitteln des Landschaftspflegeverbandes optimiert und instandgesetzt werden. Hier haben sich im Folge der immer wärmeren Winter verzinkte Gittertore (vergitterte Tore mit Zinkbeschichtung zum Austausch von Kaltluft in den Winterquartieren) bewährt. Fehlende natürliche Spalten werden erfolgreich durch angebrachte Hohlblocksteine ersetzt.

Als Orte, an denen Fledermausbeobachtungen in warmen, windstillen Sommernächten z. B. auch im August für interessierte Laien erfolgversprechend sind, können wir die Itz unter der Judenbrücke, den Waldfriedensee, die Hoffmannsteiche und generell stehende Gewässer im dörflichen Raum, z. B. Löschteiche empfehlen.

 

© Landesbund für Vogelschutz in Bayern e.V.
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