Die Dohle - Vogel des Jahres 2012

Foto: Christian Falk
Foto: Christian Falk

 

Spätestens seit dem Aufenthalt Martin Luthers in Coburg sind Dohlen als Brutvögel auf der Veste verbürgt. Man kann nur annehmen, dass der Reformator in seinem Zufluchtsort auf der Veste in düsterer Stimmung war, als er den Fortgang des Augsburger Reichstages verfolgte. Denn in einem seiner Briefe beschwerte er sich über das Dohlengeschrei. Den schlechten Ruf, den der „Coloeus monedula“ hat, trägt er völlig unverdient.

 

Weder sind die gesellig lebenden Vögel mit dem schwarzglänzenden Gefieder und den silberblauer Augen Pechvögel, noch sind sie Unglücksboten. Und Rabeneltern sind sie schon ganz und gar nicht. Vielmehr haben sie ein hochentwickeltes Familienleben! Sowohl die männlichen als auch die weiblichen Vögel kümmern sich liebevoll um ihre Brut.

 

Doch bevor es soweit kommt, müssen sich die Paare, die sich ein Leben lang treu bleiben, erst auf die Wohnungssuche für den zu erwartenden Nachwuchs machen. Und da gehen schon die Schwierigkeiten an. Dohlen lebten ursprünglich in weiten Grassteppen und nisteten auf Felsen oder in Baumhöhlen. Doch hohle Bäume werden durch die modernen Forstwirtschaft und die Sorge der Kommunen um die Verkehrssicherungspflicht, immer weniger. Da ist es schon ein Glück, wenn das werdende Elternpaar als Nachmieter bei einem Schwarzspecht einziehen kann.

Gewitzt wie die kleinen Schwarzen sind, suchen sie sich aber auch Nischen, Mauerlöcher und Dachstühle als Brutplatz. Doch wegen der energetischen Sanierung vieler Gebäude werden auch diese Ausweichquartiere immer rarer. Da bleibt den Vögeln nichts anderes übrig, als sich als „Hausbesetzer“ unbeliebt zu machen.

 

Seit den 70er Jahren gab es gar keine Brutkolonie im Landkreis mehr. Erst als die Ornithologische Arbeitsgemeinschaft des Landebundes für Vogelschutz (LBV) den blauen Turm der Veste mit Nistkästen für Falken ausstattete, fanden auch die Dohlen dort wieder einen Unterschlupf. Im Zuge der Eulenschutzmaßnahmen von Gerold Schlosser wurden so die Langen Berge und der Itzgrund zu einer neuen Heimat für den kleinsten Vertreter aus der Familie der Rabenvögel. So sind z.B. zwei der vier Schleiereulennistkästen im Turm der Schottensteiner Kirche von Dohlen belegt. Im Rahmen der Kontrolle dieser Nisthilfen wurden seit 2001 auch die Dohlenbruten im Landkreis erfasst. Gerold Schlosser: „Im Jahr 2001 hatten wir zehn Bruten in unseren Nisthilfen gezählt, 2011 waren es 23 Bruten, eine Zunahme in zehn Jahren um über 100 Prozent.“ In richtig großer Anzahl kommen die Vögel aber nur noch am Müllheizkraftwerk vor. Im Zusammenwirken mit dem Zweckverband für Abfallwirtschaft konnte hier eine seit über 20 Jahren stabile Kolonie gegründet werde, bestätigt Frank Reißenweber, der Vorsitzende des LBV Coburg. Reißenweber: „In den Glender Wiesen haben die Vögel gleich nebenan optimale Nahrungsgründe.“

 

Als Vertilger von Schnecken, Käfern, Heuschrecken und Würmern haben sich die Vögel früher als biologische Schädlingsbekämpfer für die Landwirtschaft nützlich gemacht.

 

Als Kulturfolger lebten die Rabenvögel mit den Menschen Jahrhunderte lang einträchtig nebeneinander. Durch das Programm „Lebensraum Kirchturm“ soll der Wohnungsnot der Dohlen abgeholfen werden. Viele Kirchtürme sind in den letzten Jahren zur Taubenabwehr vergittert worden. Doch haben seit 2007, dem Jahr des Turmfalken, über 500 Kirchengemeinden ihre Kirchtürme für Vögel wieder zugänglich gemacht und wurden dafür mit Plaketten ausgezeichnet. Vielleicht gelingt es durch diese Maßnahme auch im Landkreis Coburg des „Pastors schwarzer Taube“, wie die Dohle früher auch genannt wurde, zu neuen Lebensräumen zu verhelfen.

© Landesbund für Vogelschutz in Bayern e.V.
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