Der Grünspecht - Vogel des Jahres 2014

Grünspecht auf Reifwiese. Foto: Hans Schönecker
Grünspecht auf Reifwiese. Foto: Hans Schönecker

„Kjückkjückkjückkjück!“ – wie ein gellendes Lachen schallt Ihnen schon an den ersten milden Tagen im Jahr ein lauter Vogelruf aus der Streuobstwiese entgegen. Mit etwas Glück sehen Sie einen gelblich-grün leuchtenden Vogel im tiefen Wellenflug zwischen den Obstbäumen aufblitzen und sogleich hinter dem nächsten Stamm verschwinden.

 

Der Grünspecht (Picus viridis) wurde vom LBV und dem NABU zum Vogel des Jahres 2014 gewählt. Gemeinsam mit seinem „Zwillingsbruder“, dem ähnlichen Grauspecht, zählt er zur Gattung der Erdspechte: Zwar brütet er wie alle Spechte in Baumhöhlen, die er mit seinem meiselartigen Schnabel selbst zimmert. Seine Leibspeise aber sind Ameisen, die er im Gegensatz zu den meisten anderen Spechtarten nicht in den Stämmen und Ästen der Bäume erbeutet, sondern am Boden in der Wiese. Hier können Sie ihn am ehesten einmal aus der Nähe bewundern: einen deutlich mehr als amselgroßen Vogel, dessen Federkleid mit schwefelgrün leuchtendem Rücken, Schwanz und Flügeln und strahlend roter „Kappe“ auf dem Kopf richtig exotisch anmutet. Um das Auge mit auffällig silberfarbener Iris trägt er eine schwarze Maske, darunter einen Bartstreif, der Ihnen bei genauem Hinsehen das Geschlecht des Vogels verrät: bei Weibchen ist der Bartstreif einfarbig schwarz, bei Männchen rot mit einem schwarzen Rand.

 

Seine Lebensweise verrät, welchen Lebensraum der Grünspecht benötigt: Gebiete mit dicken, hochstämmigen Bäumen und Totholz, in die er seine Bruthöhle zimmert, und gleichzeitig mit offenem Grünland, wo er am Boden genügend Ameisen finden kann. Am besten sollten die Wiesen auch viele lückige Stellen im Gras mit offenem Boden aufweisen, auf denen sich Ameisen schnell und in größerer Zahl finden lassen. Werden die Wiesen zu häufig gemäht, überleben Ameisennester dort nur schwer. Werden sie gar nicht mehr gemäht oder stark gedüngt, steht das Gras bald viel zu dicht und zu hoch, als dass der Grünspecht hier noch Ameisen finden könnte. Eine solche Kombination aus Brut- und Nahrungshabitat findet der Grünspecht am besten in halboffenen Wäldern mit Lichtungen, an aufgelockerten Waldrändern, die nicht nur an intensiv genutzte Ackerflächen grenzen, auf Streuobstwiesen und zunehmend in unseren städtischen Grünanlagen, Parks und Gärten.

 

In der „Ahnengalerie“ der Vögel des Jahres ist der Grünspecht eine erfreuliche Ausnahme. Er ist in seinem Bestand nicht gefährdet, im Gegenteil: Als einziger der häufigeren Vogelarten in Deutschland hat er zwischen 1991 und 2010 sogar erheblich zugenommen! Aber wir tragen für diesen bei uns noch häufigen Vogel eine globale Verantwortung: Mehr als 90% seines weltweiten Verbreitungsgebietes liegen in Europa, Deutschland alleine beherbergt sechs bis sieben Prozent des Weltbestandes. Und auch für den Grünspecht verschlechtern sich die Lebensbedingungen bei uns – zumindest in der freien Landschaft. Zugenommen hat er in den letzten beiden Jahrzehnten vor allem in unseren Siedlungen!

 

Gerade dem Grünspecht können Sie also auch ganz persönlich in Ihrem privaten Umfeld helfen:

Pflanzen Sie in Ihrem Garten traditionelle, hochstämmige Obstbaumsorten, lassen Sie die Bäume alt werden und sägen Sie nicht jeden abgestorbenen Ast sofort heraus.

Verzichten Sie auf Pestizide in Ihrem Garten – auch unzählige andere schöne und nützliche Arten werden Ihnen das danken und Ihren Garten bereichern!

Holen Sie sich eine schöne Wildblumenwiese in Ihren Garten – eine kleine Ecke, in der nicht dichter, kurzer und eintönig grüner Zierrasen dominiert, sondern reich blühende und duftende einheimische Blumen und Kräuter in einer bunten Wiese, die sie nur zwei- bis dreimal im Jahr mähen müssen.

Und zum Wohle der freien Grünspecht-Landschaft jenseits Ihres Gartenzauns: Kaufen Sie möglichst viel Obst und Obstsäfte, die von hochstämmigen, biologisch bewirtschafteten Streuobstwiesen Ihrer Umgebung stammen. Bezugsmöglichkeiten finden Sie z.B. bei der Interessengemeinschaft Streuobst Coburger Land e.V., www.coburger-streuobst.de

© Landesbund für Vogelschutz in Bayern e.V.
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