Feldlerche wird Vogel des Jahres 2019

Im Coburger Land gibt es noch relativ gute und stabile Feldlerchenbestände. Foto: Markus Glässel/LBV-Archiv
Im Coburger Land gibt es noch relativ gute und stabile Feldlerchenbestände. Foto: Markus Glässel/LBV-Archiv

 

Von Frank Reißenweber, Erster Vorsitzender LBV Coburg

 

Der LBV und der NABU haben Mitte Oktober die bundes- und bayernweit gefährdete Feldlerche (Alauda arvensis) zum „Vogel des Jahres 2019“ gewählt, auch um der Forderung nach einer deutlich ökologischeren Ausrichtung der zukünftigen europäischen Agrarpolitik, die auch unsere Landwirte vor noch mehr Preisdruck und Intensivierungszwang schützt, Nachdruck zu verleihen.

 

Im Coburger Land gibt es noch relativ gute und stabile Feldlerchenbestände. Neben Unterfranken liegt bei uns sogar ein bayernweiter Bestandsschwerpunkt dieser Art! In der offenen Kulturlandschaft ist ihr Lied von Ende Februar bis Juli noch regelmäßig zu hören. Trotzdem ist die Siedlungsdichte in der Brutzeit heute geringer als noch vor 25 Jahren oder gar vor 50 Jahren. Auch bei uns sind also Rückgänge zu verzeichnen. Vor allem liegt das an der immer weiter ausufernden Bebauung der Landschaft mit Straßen und Baugebieten aller Art sowie an einer immer intensiver gewordenen Landwirtschaft, bei der insbesondere Sommergetreide, Feldfutter wie Luzerne und Kleegras, Hackfrüchte und Ackerbrachen immer seltener werden. Hier haben die Lerchen früher ihre Zweitbruten und Nachgelege getätigt, die heute oft ausfallen müssen, was ihre Nachwuchsrate erheblich verringert. Im Wintergetreide und Raps können Feldlerchen nur die Erstbrut erfolgreich abschließen, dann ist der Bestand zu hoch und zu dicht. Maisäcker bieten anfangs überhaupt keine Deckung und sind extrem arm an Insekten und Wildkrautsamen, was die Lerchen als Nahrung aber zwingend in ihrem Revier benötigen. An den bei uns durchziehenden Zugtrupps ist der großräumige Feldlerchenrückgang in anderen Gebieten noch viel deutlicher zu erkennen als am Brutbestand: Vor 40 Jahren gab es noch Zugtrupps mit mehreren Hundert Tieren, die zum Beispiel gerne auf Stoppeläckern rasteten, bevor sie weiter zogen. Heute freut man sich bereits, wenn solche Trupps mehrere Dutzend Lerchen umfassen.

 

Der LBV Coburg bietet auf seinen etwa 25 Hektar Schutzäckern für Ackerwildkräuter auch Feldlerchen ein kleines Paradies zum Überleben, wo sie jede Menge Nahrung finden und im Sommerbau, in Luzerneflächen und jungen Brachen ihre Zweitbruten erfolgreich aufziehen können. Unser neues Bayern-Netz-Naturprojekt „Agrarlandschaft/Reb-huhn“ (zusammen mit dem Bayerischen Naturschutzfonds, der Wildland-Stiftung, der Ökologischen Bildungsstätte in Mitwitz, dem Bayerischen Landesjagdverband und der Oberfrankenstiftung) kommt mit fast 25 Hektar Blühmischungsflächen, die ab dem Frühjahr 2019 von zahlreichen Partnerlandwirten ausgesät werden, ganz erheblich gerade auch der Feldlerche zu Gute. Außerdem führte die LBV-Kreisgruppe bei Schafhof, Schorkendorf und Seßlach eine mehrjährige standardisierte Feldlerchenreviererfassung auf rund 160 Hektar Flächen des ökologischen Landbaus durch und entwickelte hierfür optimierte Anbauempfehlungen (mit Brache- und Blühstreifen) speziell für den Feldlerchenschutz, die zukünftig hier dauerhaft umgesetzt werden.

 

Wenn derartige Maßnahmen europaweit zukünftig gezielt über eine neue EU-Agrarpolitik, für die der LBV mit großem Einsatz kämpft, gefördert würden, und der Flächenverbrauch bei uns substantiell verringert würde, bräuchten wir uns keine Sorgen um die kleine Sängerin über unseren Feldern machen und eben so wenig um die große Vielfalt der Feldinsekten und Ackerwildkräuter.

© Landesbund für Vogelschutz in Bayern e.V.
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